Galerien im Prenzlauer Berg

27. Dezember 2018 15:30 Glosse & Kultur

Berliner Kreativszene zeigt sich — außer vielleicht bei der Mode — nirgends so lebendig wie am jährlich im April stattfindenden Gallery Weekend. Das nächste anstehende Ereignis, das vom 26. bis zum 28. April 2019 stattfinden soll, wird bereits fieberhaft vorbereitet.

Doch auch rund ums Jahr bieten die Berliner Galerien jede Menge Interessantes und Neuartiges. Nicht nur etablierte Künstler stellen hier aus, gerade junge und von den Zwängen des Kunstmarkts noch wenig beeinflusste Kreative bekommen in kleinen, manchmal gut versteckten Ausstellungsräumen ihre Chance, entdeckt zu werden. Zahlreiche Veranstaltungen in den Galerien wie Konzerte und Liederabende, Lesungen oder Vorträge laden dazu ein, sich von alten Sehgewohnheiten zu verabschieden, Einblick in Schaffensprozesse zu gewinnen und bei interessanten Gesprächen neue Freunde kennenzulernen.

 

 

Blick in die Ausstellungsräume

Eine kleine, feine Galerie in unmittelbarer Nähe zur Schönhauser Allee und gegenüber der geschichtsträchtigen Gethsemane-Kirche gelegen, ist die Galerie Anke Zeisler, die bereits seit 2001 besteht und sich besonders für Kunstwerke interessiert, die ihren Rahmen sprengen und den Kontext von Dichtung, Musik und Philosophie herstellen. Außerdem stellt die Galerie Kontakt zu den Künstlern her und berät bei der Suche nach Werken für Wohnung, Büro oder Praxis.

 

 

 

 

 

Jorge César Sáenz Gómez: Skulptur

In der Nähe des markanten Wasserturms und am gleichnamigen schönen Platz gelegen, befindet sich die Living Gallery, die sich zeitgenössischer Kunst von Malerei und Grafik über Skulptur und Installationen bis hin zur Fotografie widmet. Abends finden gelegentlich hochkarätige Jazzkonzerte statt – es lohnt sich also, vor einem Berlin-Besuch nachzusehen, ob gerade aktuelle Veranstaltungen angeboten werden.

 

 

 

 

Pavel Feinstein: Fisch

Eine Entdeckung ist die Vinogradov-Galerie in der Chodowieckistraße, eine Zweigstelle der seit 2005 in Sankt Petersburg betriebenen Ausstellungsstätte. Der sprechende Name der Homepage verweist auf Euros, in der griechischen Mythologie der Ostwind, Sohn der Göttin der Morgenröte Eos und des Gottes der Abenddämmerung Astraios. Vorgestellt werden überwiegend russische Künstler und solche, die sich im Spannungsfeld von deutsch-russischen Kulturbeziehungen bewegen. Dies kann sich sowohl in abstrakten Werken als auch in kommerziell genutzten Illustrationen niederschlagen. Der fremde Blick aufs Deutsche und die Sicht auf den Anderen sind Aspekte, mit denen die Galerie ihre Besucher einlädt und auffordert, eigene Positionen infrage zu stellen.

 

 

 

Plakat zur Ausstellung BesonderRaum

Die Klax Kinderkunst-Galerie in der Schönhauser Allee bietet seit 1993 weit mehr als Bilder und Zeichnungen, wie man sie vom eigenen Nachwuchs gelegentlich geschenkt bekommt. Neben Werken aus den Klax-Werkstätten werden auch Ergebnisse von Kinderkunstprojekten aus ganz Europa präsentiert. An manchen Wochenenden können Berlin-Besucher ihren Kindern einmal ein ganz neues Erlebnis bieten, dann nämlich finden regelmäßig Kreativtage statt. Das Konzept der inzwischen auch in Schweden vertretenen Klax-Gruppe besteht darin, Kreativität zu fördern und in den Alltag zu integrieren. Hierzu werden Kinderkrippen und -gärten, Schulen und Ausbildungsstätten betrieben.

 

 

 

 

 

 

Tuuli Oikkonen und Lasse Junnila: Process of Change IV

Im östlichen Teil des Prenzlauer Bergs präsentiert die Galerie Pleiku Kunstwerke aktueller finnischer Künstler; dazu gibt es gelegentlich finnische Konzerte. Noch immer führt die einzigartige Kombination aus Wohlfahrtsstaat und Modernität mit europäischer Randlage, Nähe zu Russland und viel, viel Natur und Einsamkeit dazu, dass finnische bildende Kunst etwas Besonderes darstellt — oftmals mit magisch-meditativen Einschlägen, gelegentlich melancholisch, gern auch provozierend. Bei Pleiku lernt der Besucher etwas über den finnischen Blick auf die Welt, der starke Gegensätze in sich vereint, was sich oftmals in besonderer Kreativität ausdrückt.

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